| Ulcerate "Everything Is Fire" |
| Tracklist: 01. Drown Within 02. We Are Nil 03. Withered And Obsolete 04. Caecus 05. Tyranny 06. The Earth At Its Knees 07. Soullessness Embraced 08. Everything Is Fire Release: 2009 Genre: Technical Death Metal URL: www.ulcerate-official.com Label: www.willowtip.com |
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| Als Ulcerate 2007 ihr übergeniales Debütalbum "Of Fracture And Failure" herausbrachten, hatten sich die Neuseeländer prompt zu einer meiner neuen Lieblings-Death Metal Bands entwickelt. Sie schafften es, frischen Wind in die Szene zu bringen, ohne in irgendeiner Form massenkompatibel zu sein oder wie so viele andere die Stilmix Schiene zu fahren. Natürlich könnt ihr euch vorstellen, wie sehr ich mich auf ein neues Lebenszeichen der Truppe gefreut habe. Als ich ihr neustes Werk "Everything Is Fire" in den Händen hielt, ist mir direkt erst mal das ästhetische Coverartwork und die geniale Aufmachung der gesamten CD ins Auge gefallen. Das Ganze wirkt eher untypisch für eine Death Metal Truppe, aber um ehrlich zu sein finde ich es klasse, dass es noch Bands gibt, die versuchen die alten Ketten der Einschränkung zu zerstören und es schaffen. Ich persönlich brauche keine weiteren Leichenteile, Schädel oder Pentagramme auf einem Albumcover. Das Genre Death Metal sollte sich selbst nicht so stark reglementieren, solange die musikalische Umsetzung stimmt. Umso bemerkenswerter empfinde ich die Tatsache, dass Schlagzeuger Jamie Saint Merat für das herausragende Coverartwork und das gesamte Layout verantwortlich ist. Für die Aufmachung gibt es von mir schon einmal die volle Punktzahl; jetzt gehen wir aber zum wesentlich wichtigeren Teil über, nämlich der Musik. Schon beim ersten Ton wurde mir klar, dass es sich nicht um ein "Of Fracture And Failure" Nummer zwei handelt, aber immer noch genau nach Ulcerate klingt. Auf "Everything Is Fire" setzt die Band ihre musikalische Apokalypse mit einer solch brachialen und zermalmenden Brutalität um, dass der ungeübte Hörer wohl anfangs den Verstand verliert. Wobei Ulcerate die herausragende Fähigkeit besitzen, ihre Melodien trotz der düsteren Endzeitbrutalität perfekt einzubauen. Nur wird einem das nicht immer sofort klar, da die Band wesentlich subtiler (und meines Erachtens anspruchsvoller) als der Necrophagist Klon Nachwuchs zu Werke geht. Allgemein gesehen ist die Spielart der Musiker sehr genrefremd; man versucht sich weder an sägenden Suffocation Riffs, noch benutzt man berechenbare Songstrukturen. Wenn überhaupt, könnte man diesen Stil mit neueren Gorguts und einer Portion Immolation vergleichen. Das sind aber lediglich kleine Orientierungshilfen, da die Band einen einzigartigen Stil entwickelt hat. Den Umgang mit dissonanten, obskuren Melodien hat die Band wirklich perfektioniert. Dazu wird das Ganze noch in einem vertrackten, ungewöhnlichen Rhythmus gespielt und verlangt nach der gesamten Aufmerksamkeit des Hörers. Viele wichtige musikalische Details würden beim nebenbei hören untergehen. Aber im Gegensatz zum Vorgängeralbum setzen Ulcerate hier mehr Wert auf die Kraft der Langsamkeit. Viele Stücke enthalten extrem heftige langsame Passagen, die einen förmlich überrollen. Wer meint das Brutalität nur durch Blastbeats erzeugt werden kann, wird hier eines besseren belehrt. Aber auch für die Blastbeat-Freunde ist genug vorhanden und alles wird sehr ausgewogen eingesetzt. Des Weiteren hat sich Line-uptechnisch auch einiges getan. War auf "Of Fracture And Failure" noch Sänger Ben Read für die Vocals zuständig, wurden diese jetzt vollkommen von Bassist Paul Kelland übernommen. Ich persönlich war sehr zufrieden mit Ben's Gesang, nur ist die Stimme von Paul für das neue Ulcerate Material wesentlich passender. Paul's Stimme geht schon stark in die Richtung Immolation und passt perfekt zu der düsteren Musik. Auch Gitarrist Michael Rothwell wurde durch Oliver Goater ersetzt. Die Band hat dadurch auf jeden Fall einen ziemlichen kreativen wie auch technischen Energieschub bekommen. Besonders hervorheben möchte ich das Schlagzeugspiel von Jamie. Seine ständigen abwechslungsreichen und innovativen Drumfills gehören zu den besten die ich seit langer Zeit gehört habe. Der Junge ist eine ganz große Nummer und hat meinerseits schon einen Platz in der Hall of Fame der besten Drummer sicher. Auch was die Gitarrenfraktion leistet ist sagenhaft und das ohne irgendwelche melodischen Soli oder Arpeggio Gedudel. Schon allein wegen der hektischen Rhythmik, der Riffvielfalt und dem Können, dass Ganze noch mit einer erdrückenden dunklen Atmosphäre zu verpacken, verdient besondere Beachtung. Eine weitere Sache, die mich bei Ulcerate schon immer sehr fasziniert hat wurde glücklicherweise beibehalten; nämlich das einstreuen von relativ ruhigen Parts, die für die nötige Verschnaufpause sorgen und zusätzlich dafür sorgen, dass der Nebel der Dunkelheit ein wenig dichter wird. In solchen Momenten erinnert mich die Truppe ein wenig an Bands wie z. B. Cult Of Luna. Was dem Hörer auf "Everything Is Fire" präsentiert wird, ist ein wahrer Meilenstein dunkler Death Metal Kunst, wie er viel besser nicht sein kann. Ein moderner Klassiker, der brutal und zugleich tiefgreifend ist. Es gibt eine super ausbalancierte Soundproduktion, anspruchsvolle Texte, die weit abseits von Mord und Todschlag liegen und eine verdammt lange Spielzeit von über 50 Minuten. Jeder der es wagen möchte, mal ein wenig über den Tellerrand hinaus zu schauen und dem bei Bandnamen wie Gorguts oder Immolation nicht die Kotze hochkommt, muss hier sofort zugreifen. |
| Bewertung: 95 % | von Gore | Datum: 26.10.09 | Zeit: 21:20 | schließen |