Interview Ulcerate (Neuseeland)
Datum: 28.10.2007 - Uhrzeit: 21:30


von links nach rechts: Paul Kelland (Bass); Michael Rothwell (Gitarre); Michael Hoggard (Gitarre); Ben Read (Vocals); Jamie Saint Merat (Drums)


Gore: Hey Jamie, wie geht es Dir? Bitte stelle uns deine Band kurz vor und erzähle uns etwas über eure Biografie.

Jamie: Hey Mann, mir geht es gut. Ulcerate ist eine Death Metal Band, welche bei Neurotic Records unter Vertrag ist und aus Auckland Neuseeland kommt. Wir existieren nun schon seit sieben Jahren. Michael Hoggard und ich haben mit diesem Projekt in dem letzten Jahr während unserer High - School Zeit angefangen. Seitdem haben wir die zwei Demos "Eponymous" und "The Coming Of Genocide" veröffentlicht (Im Anschluss folgte die Wiederveröffentlichung durch das italienische Label The Flood) und nun unser Debüt Full Length Album "Of Fracture And Failure", welches Ende 2006 veröffentlicht wurde. Wir waren sehr daran interessiert, wieder etwas mehr an düsteren Emotionen und Stimmungen in den Death Metal einfließen zu lassen, welche in der letzten Zeit in dieser Musikrichtung ziemlich vernachlässigt wurden. Wir versuchen außerhalb der "normalen" Vorgaben für Rhythmus und Melodie zu denken und wir haben eine annähernd geradlinige Art des Songwritings gewählt, um zu versuchen einen eher wirbelnden Effekt zu erzeugen, wenn man sich unser Material anhört. Live ist es immer unser Ziel, alles so gut zu wiederholen wie nur möglich. Derzeit versuchen wir auch soviel Spontaneität wie nur irgendwie möglich einzubauen. Wir scheuen uns auch gewiss nicht davor, auch mal zu improvisieren. Wir möchten lieber eine richtige Show spielen, anstatt lediglich ein Song - Stop -Song usw. Schema umzusetzen. Also verwenden wir die Zeit zwischen den Songs, soweit wie möglich mit Ambient Aufführungen. Beide Gitarristen in unserer Band haben professionelle Effektsysteme, also liefern wir jedes Mal etwas Neues ab.

Gore: Ok, als erstes möchte ich euch gratulieren, dass ihr meiner Meinung nach mit "Of Fracture and Failure" eines der besten Alben des Jahres abgeliefert habt. Leider bin ich bis jetzt noch nicht dazu gekommen, mir euer vorheriges Material anzuhören. Was sind die musikalischen Unterschiede, zwischen euren älteren Veröffentlichungen und eurem aktuellen Album?

Jamie: Vielen Dank Kumpel, ich bin froh, dass es Dir gefällt. Unser älteres Zeug war mehr ein herumstolpern um unseren eigenen Sound zu finden. Wir haben zwei Demos herausgebracht, aber wir waren noch auf der Suche, um eine Formel zu finden, welche wirklich zu unserer Art des Songwritings passte. Also das was Du auf unseren Demos hörst (Speziell auf der "The Coming Of Genocide"), hat manchmal Gemeinsamkeiten zu unserem Stil von unserem Album, nur ist das Ganze nicht so intensiv und klaustrophobisch gestaltet. Wie auch immer, die damaligen Songs waren sehr eingängig und es macht immer noch Spaß, sie zu spielen. Es gibt auch einige Leute, denen dieser Stil eher zugesagt hat, als der unserer neuen Scheibe. Auf den ersten Veröffentlichungen war der Sound auch weniger dissonant. Unsere Aufnahmen haben sich extrem verbessert, zudem sind unsere musikalischen Leistungen wesentlich besser geworden.

Gore: Wie sind eigentlich bis jetzt die weltweiten Reaktionen auf euer neues Album ausgefallen? Seid ihr froh mit dem Ergebnis eurer Arbeit?

Jamie: Die Reaktionen waren großartig. Ich habe nur ein paar wenige Rezensionen gelesen, die nicht gut waren. Aber es war nichts Beleidigendes dabei. Die große Menge an guten Rezensionen von Leuten, die wir wirklich respektieren ist einfach fantastisch. Die meisten Menschen haben wohl kapiert was wir gemacht haben und teilen mit uns auch hoffentlich die Vision diese Musik in Gebiete zu katapultieren, welche bis jetzt noch nicht erkundet wurden. Am meisten geht es uns halt um die Musik, wir sind nicht daran interessiert, die schnellste, brutalste, kränkste Musik zu kreieren und mit Sicherheit auch nicht an diesem Breakdown Zeug. Ich denke die Leute die die Sachen in diesem Genre einfach nicht mehr hören können, sind auch die Leute die sich mit Ulcerate identifizieren können.

Gore: Wenn ich richtig liege, seid ihr Jungs derzeit bei Neurotic Records unter Vertrag. Ich finde ihr habt einen guten Fang gemacht, da es eines der meist gefragten extrem Death Metal Labels darstellt. Was hat sich denn nun bei euch im Positiven verändert, nachdem ihr den Deal in der Tasche hattet? Wie seid ihr überhaupt an den Vertrag herangekommen?

Jamie: Unser Album, würde definitiv nicht in der guten jetzigen Position stehen, wenn das Marketing und die Promotion von Neurotic nicht vorhanden gewesen wären. Allein weil es mit Sicherheit einen gewissen Wert hat, wenn wir sagen können, das wir bei Neurotic unter Vertrag sind. Das bedeutet, dass wir eine Gruppe sind, die sicherlich qualitativ überzeugen kann. Egal wie überheblich sich das vielleicht anhören mag. Es ist großartig für uns, neben Bands wie Spawn Of Possession, Psycroptic und Disavowed zu stehen obwohl wir uns trotzdem wie keine dieser Bands anhören. Wir haben bestimmt auch das Potenzial um die Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer zu bekommen. Wir kontaktierten Neurotic während der Aufnahmen zu "Of Fracture and Failure". Wir hatten einfach keinen Bock mehr darauf, das Album über ein weiteres kleines Label herauszubringen. Wir bemerkten dass die Menge an Zeit und Arbeit wohl verschwendet wäre, wenn das Ganze über ein kleines Label veröffentlicht werden würde. Nach einem guten Tipp von unserem Kumpel Timo von Sotajumala, haben wir eine E-Mail mit unseren Band Zielen verfasst. Dazu packten wir noch ein paar ungemixte Mp3's des neuen Materials und kurz darauf hatten wir den Vertrag sicher. Für uns persönlich fühlt es sich großartig an, ein Label zu haben, welches nach 30 Sekunden nachdem es unsere Musik gehört hat bereit ist, uns unter Vertrag zu nehmen.

Gore: Erzähle uns doch mal, was Ulcerate so besonders macht und was euch von anderen technischen Newschool Death Metal Bands unterscheidet.

Jamie: Als erstes möchte ich sagen, das wir uns selbst nicht als technisch bezeichnen. Das würde nämlich voraussetzen, dass wir nur herumsitzen und Songs schreiben, die um jeden Preis schwer zu spielen sind. Genau das ist bei uns nicht der Fall. Wir sind nur daran interessiert, dass wir massives, strafendes Material schreiben, welches letztendlich wie eine Erzählung wirkt. Die Tatsache, dass unser Material anspruchsvoll zu spielen ist, resultiert nur als ein Produkt aus den gerade genannten Punkten. Stilistisch, würde ich uns eher mit Bands der Immolation oder Gorguts Schule vergleichen, als mit irgendwelchen super tighten Stilrichtungen wie sie von Necrophagist oder Spawn Of Possession gespielt werden. Wir sind besessen von Atmosphäre und Stimmungen, aber auch wie die Übergänge zwischen den einzelnen Abschnitten wirken. Wir geben unser bestes für das Material, damit es fließend ist und dem Zuhörer einen gewissen Sinn für eine Richtung gibt. Ungeachtet davon, wie viele Noten man in einer Sekunde in die Songs packen kann.

Gore: Jamie, du bist ebenfalls für das geile Coverartwork der "Of Fracture And Failure" CD verantwortlich. Was ist die Aussage des Covers? Hast Du noch Artworks für andere Bands gestaltet?

Jamie: Die Idee, die hinter dem Artwork steckt, ist das unabwendbare Versagen der Menschheit, durch ihre eigene Hand. Das Aussterben unserer Art und die Geburt einer neuen dominierenden Spezies. Das Cover ist also als ein Porträt der sterbenden Menschheit und der Geburt einer neuen herrschenden Spezies. Ich habe auch einige Artworks für andere Bands gemacht. Die wohl bekannteste wäre Dawn Of Azazel, wofür ich für die letzten drei Veröffentlichungen die Cover gezeichnet habe. Abgesehen davon, habe ich noch für ein paar lokale Bands wie 8 Foot Sativa, Graymalkin, Misadventures In Self Surgery und Creeping etwas gemacht.

Gore: Sprechen wir mal über die Texte auf eurem Album. Was waren eure größten Einflüsse für die Texte?

Jamie: In den Texten geht es um die Unfähigkeit der Menschheit, die Konsequenzen ihrer Handlungen zu begreifen, dass wir beinahe diesen Planeten zerstört haben und dass wir uns schließlich selbst zerstören werden. Im Sinne von stilistischen Einflüssen, weiß ich das Ben speziell die Texte von Joe Horvath von Circle Of Dead Children und die extremen, irren Psycho Texte von Pig Destroyer mag.

Gore: Auf eurer Myspage Seite ( http://www.myspace.com/ulcerate ) sind einige eurer Einflüsse aufgelistet. In der Liste sind großartige Death Metal Interpreten wie Necrophagist, Gorguts, Cryptopsy, Suffocation, Hate Eternal usw. vertreten. Aber was mich ja persönlich sehr verwundert hat auch die Deutsche Nicht-Death Metal Band Bohren& Der Club of Gore. Diese Band gehört definitiv zu meinen Lieblingsbands außerhalb des Metal Bereichs (Falls euch die Band gerade kein Begriff sein sollte, sie spielen langsamen, düsteren Ambient Jazz). Ich finde es super, dass diese Truppe auch außerhalb Deutschlands bekannt ist und das eine extreme Band wie Ulcerate, auf diese Musik steht. Welche Elemente von Bohren haben euch denn genau beeinflusst? Vielleicht die düstere Atmosphäre?

Jamie: Bohren ist eine verdammt geile Band. Im Ganzen aber hat uns nur deren "Vibe" wirklich für die Band interessiert und uns im Wesentlichen in der Dynamik beeinflusst. Jedes mal wenn ich mir ihre CD's anhöre, ist der erste Gedanke der mir durch den Kopf schießt "gespenstisch". Sie kreieren Musik die so vernichtend wirkt, wie ich sie selten zuvor gehört habe. Das alles jedoch ohne dass sie irgendwelche Distortion Sounds benutzen. Das finde ich sehr beeindruckend. Zum jetzigen Zeitpunkt aber werden wir keine Streicher oder Keyboards in unseren Sound einfügen, aber wir können bestimmt Elemente ihrer Tonalität, Stimmung und Melodie einbauen.

Gore: Ihr seid aus Neuseeland und ich kenne wirklich nicht viele Bands aus eurem Land. Um ehrlich zu sein, kenne ich nur die Death Metal Band Dawn Of Azazel und deine Band. Lass uns doch mal über eure Death/Extrem Metal Szene sprechen. Wie sieht es da bei euch aus? Kannst Du irgendwelche Bands empfehlen?

Jamie: Allgemein kann man sagen, dass die Szene hier ziemlich bissigen Extrem Metal produziert, was ich total genial finde. Einige Killerbands die ihr euch mal anhören solltet wären Asphyxiate (Bassist Pauls andere Band), Diocletian, Creeping, Vassafor, Akaname, Odius Embowel, Loadmaster, Vixen Execution.

Gore: Du bist bei Ulcerate als Schlagzeuger tätig und ich finde das dein Stil wirklich beeindruckend ist. Du spielst verdammt präzise, sauber und bist dazu noch verdammt schnell. Dein Stil erinnert mich immer ein wenig an den Ex Hate Eternal Schlagzeuger Derek Roddy. Welche Schlagzeuger haben dich persönlich am meisten beeinflusst und wie lange spielst Du nun eigentlich schon?

Jamie: Vielen Dank für die netten Worte!! Ja ich weiß an welchen Stellen du ein wenig von Roddy in meinem Stil erkennen kannst. Er ist auch mit Sicherheit ein Einfluss von mir. Ich spiele nun schon seit 10 Jahren und einige meiner Einflüsse sind Marco Minneman, Benny Greb, Tony Laureano, John Longstreth, Thomas Lang, Dave Weckl, Chris Pennie, Carter Beauford und Flo Mounier.

Gore: Seid ihr noch in irgendwelchen anderen Bands oder Projekten, außerhalb von Ulcerate tätig?

Jamie: Aber klar doch. Sänger Ben und ich spielen noch in einer Thrash Truppe welche sich 8 Foot Sativa nennt. Paul spielt noch in Asphyxiate. Mike Rothwell spielt noch als Schlagzeuger bei Vassafor und The House Of Capricorn.

Gore: Welche CD's oder Vinyls hast du Dir in der letzten Zeit gekauft? Kannst Du irgendwelche empfehlen?

Jamie: Die letzten Cult Of Luna Veröffentlichungen waren wirklich geil, die neue Disavowed tritt kräftig Arsch (Ich hatte immer ein Faible für die Band), Shining's "Halmstad" ist beinahe perfekt, die letzten zwei Immolation Veröffentlichungen ("Shadows In The Light", "Hope And Horror") sind es definitiv wert, angehört zu werden. Behemoth's "The Apostasy" weil es die Erste Scheibe der Band ist, die mir wirklich gefallen hat, was hauptsächlich an dem natürlichen Sound lag.

Gore: Werdet ihr bald ein Paar Konzerte in Europa geben? Wann haben die Deutschen Fans eine Chance, euch mal live zu sehen? Es wäre super, wenn ihr beim nächsten Deathfeast Open Air in Deutschland spielen könntet.

Jamie: Wir versuchen gerade durch unser Label und einige Tour Agenturen Leute zu finden, die uns für eine Europa Tour unterstützen würden. Aus unserer Sicht, sollte man realisieren, dass es mit enormen Kosten verbunden ist, in Europa zu Touren. Wenn wir es also machen könnten, würden wir lieber 20-30 Gigs spielen können, als eine einmalige Show. In einer perfekten Welt würde ich es lieben jede Show zu spielen, die möglich wäre, aber in der jetzigen Phase wäre das ein wenig schwer für uns.

Gore: Bitte Liste uns doch mal dein 10 Lieblings Death Metal Alben auf.

Jamie: Hate Eternal - Conquering The Throne
Angelcorpse - The Inexorable
Cryptopsy - Whisper Supremacy
Defleshed - Under The Blade
Immolation - Close To A World Below
Gorguts - From Wisdom To Hate
Scarve - Irradient
Dawn Of Azazel - Vita Est Militia Super Terram (Demo, aber dennoch)
Disavowed - Perceptive Deception
Suffocation - Despise The Sun

Gore: Ok Jamie, Wir sind am Ende angekommen. Danke dass Du dieses Interview beantwortet hast und ich hoffe dass alles bei euch in Zukunft glatt läuft. Wenn Du irgendwelche letzten Kommentare hast, kannst Du sie nun aufschreiben.

Jamie: Danke für das Interview Markus, wir wissen Deinen Support zu schätzen. Wir hoffen, Dich in Europa früher oder später zu treffen!